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Vorteile
Kein Flaschenhals mehr
Zunächst sollten Sie sich die Vorteile eines Internetauftritts vor Augen führen. Eine breitere Öffentlichkeit über das eigene Anliegen zu informieren, steht bei den positiven Argumenten von NROs und kleinen Organisationen ganz oben auf der Liste. Natürlich ersetzt die eigene Homepage keine gezielte Pressearbeit außerhalb des Internets. Der Journalist als Flaschenhals zwischen Öffentlichkeit und Organisation jedoch kann inzwischen umgangen werden – auf der Internet-Site ist genug Platz für alle Informationen, die bereitgestellt werden sollen. Ob dies immer sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.
Schnelle Vernetzung
Die Informationen sind gleichzeitig nicht nur im Lokalanzeiger, sondern weltweit abrufbar – Gleichgesinnte und Interessierte finden so schneller und leichter zusammen. Organisationen, die auf das Werben von Mitgliedern angewiesen sind, können durch die Positionierung in Suchmaschinen schnell und zielgenau gefunden werden. Wer eine Selbsthilfegruppe für eine seltene Krankheit sucht, gibt ihren Namen in eine solche Suchmaschine ein – in wenigen Sekunden wird daraufhin das weltweite Netz durchsucht. Anders herum kann eine Organisation sehr viel leichter in ähnlichen Feldern arbeitende Zusammenschlüsse finden, um zu kooperieren und Kräfte zu bündeln oder gar einzusparen, damit die Arbeit nicht doppelt verrichtet wird.
Kostensenkungen
Angeblich führt der Einsatz von neuen Medien auch zu Kostensenkungen. Die Bundesregierung etwa schätzt, dass verwaltungsintern 400 Millionen Euro im Jahr gespart werden können, wenn in einigen Jahren viele Regierungsleistungen (zum Beispiel die Ausstellung eines Passes) auch über das Internet abgewickelt werden können. Auch der (Weiter-)Bildungsmarkt soll mit Hilfe von internetgestützten Lerneinheiten sehr viel effektiver gestaltet werden können, prognostizieren Wirtschaftsexperten. Allein wegen geringerer Reise- und Übernachtungskosten werden Milliardeneinsparungen prognostiziert. Allerdings ist in den meisten Fällen von erheblichen Anfangskosten auszugehen, bevor das Geld wieder eingespielt wird.
Besonders deutlich wird das Spar-Argument für kleine und mittlere Organisationen bei den Kommunikationskosten. Ein wöchentlicher Internet-Newsletter an mehrere Tausend Abonnenten mit den neusten Informationen, Kampagnen und Tipps verursacht so gut wie keine Versendegebühren. In der Post-Variante, bereits »Schnecken-Post« (»snail-mail«) genannt, steigen Kosten und Aufwand je nach Menge – andererseits ist ein Papier-Brief immer noch sehr viel glaubwürdiger, als eine E-Mail.
Wissensmanagement
Schon wenn man nur ein »Intranet«, also ein Netzwerk für zugangsberechtigte Mitglieder oder Mitarbeiter einrichtet, kann viel Geld gespart werden. Meistens ist dafür auch eine Verwaltungsmodernisierung notwendig. Schon in kleinsten Einheiten ist es zudem sinnvoll und überlegenswert, wie man das vorhandene Wissen für alle verfügbar macht – verlässt ein Aktivist die Organisation ohne Übergabe seiner Aufgaben, müssen die Nachfolger neu beginnen. Da die Zeit der Aktiven oft ehrenamtlich und damit kostenfrei zur Verfügung steht, machen sich kleine NROs den Kostenfaktor Arbeitszeit oft nicht ausreichend bewusst. Wie oft ist so schon die Adressenliste mit den Journalistenkontakten oder die Vorlage für das Standard-Flugblatt verloren gegangen?
Transparenz
Die Transparenz einer Organisation ist gerade für kleine, auf Spenden angewiesene Gruppierungen von entscheidender Bedeutung. Sie ist für den Außenstehenden ein wichtiges Merkmal, um die Glaubwürdigkeit der Institution einzuschätzen. Wurde das Geld auch richtig eingesetzt? Wie setzt sich der Vereinsvorstand zusammen? Mit Hilfe des Internet kann diese Rechenschaft problemlos abgelegt werden.
Service
In unserer modernen Dienstleistungsgesellschaft werden ein hohes Maß an Service und Kundenfreundlichkeit als selbstverständlich vorausgesetzt – auch bei gesellschaftspolitisch orientierten Vereinigungen. Das Internet bietet die Möglichkeit, einen bestimmten Service anzubieten, wie zum Beispiel die Bereitstellung von Durchwahl-Telefonnummern oder Namen von Ansprechpartnern. Untersuchungen zeigen, dass Internetnutzer gerade im Servicebereich von dem neuen Medium profitieren.
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Nachteile
Aber auch die Nachteile müssen benannt werden, um realistisch einschätzen zu können, ob ein Internetauftritt machbar und erstrebenswert ist. Schließlich ist niemandem geholfen, wenn eine neue Site zwar mit Elan geplant wird, dann aber in der Umsetzungsphase eine umso herbere Ernüchterung einsetzt. In Institutionen, die nicht auf eine langfristige Kontinuität an Mitarbeitern und Kompetenz bauen können, weil ein großer Teil ihrer Arbeit auf ehrenamtlicher Tätigkeit beruht, ist dies besonders zu berücksichtigen.
Internet ist elitär
Zum einen muss klar gesagt werden: Auch im neuen Jahrtausend ist das Internet noch eine weitgehend elitäre Angelegenheit. Zwar beträgt die Internetdurchdringung in Deutschland inzwischen um die 50 Prozent – aber von Experten wird eine Sättigung bei ca. 70 Prozent oder weniger vorausgesagt. Wie lange es dauert, dies zu erreichen, ist dabei unklar. Es wird also immer Menschen geben, die sich dem neuen Medium verschließen. Derzeit sind die prozentual größten Nutzerzuwächse im Bereich Senioren zu verzeichnen – allerdings kommen sie auch von einem niedrigen Niveau. Der Anteil der Frauen im Netz hat sich recht stark angeglichen. Dennoch bleibt der durchschnittliche deutsche Internetnutzer auf absehbare Zeit männlich, gut ausgebildet und jung.Auch entwicklungspolitisch ist die »digitale Spaltung« ein großes Thema – die Kluft zwischen noch nicht so weit entwickelten Personen und Ländern und den technologisch weit entwickelten Personen und Ländern: Die Wissensbestände, die durch die neuen Medien zugänglich geworden sind, sind nicht allen Menschen gleichermaßen verfügbar. Der Zugang zum Wissen hängt vom Zugang zur notwendigen Technologie ab. Ein zentrales Gerechtigkeitsthema also, das sich nicht nur auf die Bereitstellung von technischer Infrastruktur beschränkt, sondern auch Fragen wie Ausbildungsstandards oder Kommerzialisierung von Wissen beinhaltet.
Mangelnde Medienkompetenz
Sowohl in Entwicklungsländern als auch an vielen deutschen Schulen gibt es Computer, die aus mangelnder Medienkompetenz nicht genutzt werden. Das beste technische Gerät ist überflüssig, wenn es keinen Verantwortlichen gibt, der damit umgehen kann oder den Umgang damit lehrt. Sicher sind Schüler durchschnittlich technisch begabter als ihre Lehrer – aber dürfen sie auch ohne Aufsicht in den Computerraum? Wäre dies sinnvoll? Denn auch eine gewisse inhaltliche Medienkompetenz ist erforderlich. Mit wenigen Klicks betritt man eine Welt der Lügen, Verschwörungstheorien oder Falschmeldungen – um dann wiederum in wenigen Sekunden bei wissenschaftlich untermauerten Tatsachen zu landen. Hier gilt es, Strategien zur Hand zu haben, Fakten von Propaganda zu unterscheiden – gerade für Jugendliche mitunter ein Problem. Medienkompetenz gehört auch im neuen Jahrtausend noch nicht selbstverständlich zu den Inhalten der Schulausbildung.
Untergang in der Masse
Zu den Nachteilen einer Präsenz in der Online-Welt gehört sicherlich auch, dass man leicht in der Masse übersehen wird. Allein in Deutschland waren Ende 2002 insgesamt mehr als sechs Millionen Internet-Sites mit der Endung ».de« (steht für »Deutschland«) registriert. Damit hat jeder 13. Deutsche eine eigene Internet-Site. Dabei sind Adressen mit anderen Endungen (.org, net, .com und so weiter) noch gar nicht mitgerechnet. Hinter einem Großteil dieser sechs Millionen Adressen verbergen sich ungenutzte und unbrauchbare Seiten. Nach Schätzungen sind allein zehn Prozent der .de-Adressen »unverlinkt« oder »derzeit im Aufbau«. Dennoch stehen die kleinen Sites in Konkurrenz mit professionellen Angeboten. Verschiedene Strategien helfen, in der Masse wahrgenommen zu werden – zum Beispiel eine zielgerichtete Platzierung in Suchmaschinen. Gutes Marketing gehört zu den unverzichtbaren Bestandteilen der Werbung für die eigenen Ziele – doch mehr dazu später.
Folgeaufwand
Der wichtigste und am häufigsten unterschätzte Nachteil betrifft jedoch den Aufwand, der nach dem erfolgreichen Launch, der Freischaltung der fertigen Internet-Site, entsteht. Denn mit einer neuen Website ist es in den meisten Fällen nicht getan: Sie muss gepflegt und aktualisiert werden. Spätere Änderungen bedeuten in der Regel Mehrkosten oder zeitlich mehr Aufwand. Wenn das Redaktionskonzept nicht realistisch mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen umgeht, kann das Ergebnis eine vollkommen unlebendige Site oder eine überforderte Redaktion sein. Dies gilt es durch ausreichende Planung im Vorfeld zu vermeiden.
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